Deutschlandticket im EU-Vergleich: Welche ÖPNV-Angebote gibt es in europäischen Ländern?

Das Deutschlandticket hat gezeigt, wie stark ein einfaches Tarifprodukt für den öffentlichen Verkehr die Nachfrage verändern kann. Deutschland ist damit . Wie machen die anderen EU-Länder das mit dem ÖPNV und Fernverkehr? Aktuelle Entwicklungen in der Übersicht.

Zuletzt aktualisiert am 12.08.2026

Ein Ticket, unbegrenzt reisen: Aktuelle ÖPNV-Angebote in Europa

Deutschland ist mit dem Deutschlandticket nicht allein, auch in vielen anderen Ländern Europas gibt es bereits Tickets in ähnlicher Form. Mit nur einem Ticket durch ein ganzes Land zu reisen, ist in vielen europäischen Ländern möglich. Einige Länder bieten dabei besonders günstige Angebote für junge Menschen, während andere Länder allgemeine, unbegrenzte Tarife für alle Reisenden anbieten.

Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Informationen (darunter Ticketpreise, abgedeckte Verkehrsmittel und berechtigte Personengruppen) zu den aktuell verfügbaren Tickets für unbegrenztes Reisen in Europa.

Österreich ist für seinen gut ausgebauten öffentlichen Verkehr bekannt. Die Pro-Kopf Investitionen in die Schieneninfrastruktur lag 2025 bei 359 Euro. Nur Luxemburg und die benachbarte Schweiz liegen in dem Ranking vor der Alpenrepublik. Im Vergleich zu Deutschland (222 Euro) investiert Österreich rund 1,6-mal so viel.

Seit dem 26. Oktober 2021, dem österreichischen Nationalfeiertag, können Reisende mit dem KlimaTicket Ö fast alle öffentlichen Verkehrsmittel in Österreich nutzen. Die Jahreskarte kostet aktuell 1.400 Euro, was etwa 117 Euro pro Monat und knapp vier Euro pro Tag entspricht. Für Junioren, Senioren und Menschen mit Behinderung gibt es Ermäßigungen.

Mit dem KlimaTicket Ö ist es möglich, ein Jahr alle Linienverkehre regional, überregional und österreichweit zu nutzen. Das schließt den öffentlichen und privaten Schienenverkehr, also auch Fernzüge wie Railjet und ICE sowie die WestBahn, Stadtverkehre und Verkehrsverbünde ein. Lediglich touristische Angebote wie die Waldviertelbahn, Wachaubahn, Schneebergbahn, Schafbergbahn und ähnliche Bahnen sind davon ausgenommen.

Zusätzlich zum KlimaTicket Ö gibt es auch die Möglichkeit regionale KlimaTickets zu erwerben. Die Umsetzung und Gestaltung dieser Tickets liegt beim jeweiligen Bundesland. In Wien kostet das reguläre KlimaTicket als Jahreskarte 365 Euro, in Salzburg 399 Euro, in der Steiermark 532 Euro und für die gesamte Ostregion (Wien, Niederösterreich, Burgenland) zahlen Reisende 898 Euro.

Seit dem 27. November 2023 gibt es das österreichische Klimaticket auch als digitales Ticket. Um dieses zu erhalten, müssen Ticket-Inhaber:innen die App von ÖBB, Westbahn oder Wiener Linien auf dem Smartphone installieren. 

Derzeit gibt es etwa 290.000 aktive österreichweite Klimaticket. Zusätzlich bestehen regionale Klimatickets der einzelnen Bundesländer. In Summe besitzen rund 1,7 Millionen Menschen ein österreichweites oder regionales Klimaticket.

In den meisten unabhängigen Bewertungen, wie dem European Railway Performance Index, gehören die Schweizer Bahnen zu den besten der Welt. Die Schweiz hat 2025 pro Einwohner 504 Euro in die Schiene investiert. Während in Deutschland die Bahn oft unpünktlich ist, fahren in der Schweiz nahezu alle Züge pünktlich. 

Rund 2,25 Millionen Menschen in der Schweiz besitzen ein Halbtax-Abonnement für 190 Franken (rund 202 Euro). Bei 8,5 Millionen Einwohner:innen ist das mehr als jede vierte Person. Das Halbtax-Abo entspricht in etwa der in Deutschland erhältlichen Bahncard 50. Diese haben in Deutschland jedoch lediglich eine halbe Million Bahnkunden bei zehnmal mehr Einwohnern.

Allerdings hat die Schweiz auch einen im europäischen Vergleich teuren öffentlichen Verkehr. So bietet die Schweiz Monats- oder Jahreskarten für alle öffentlichen Verkehrsmittel des Landes an ("Generalabonnement"). Der Preis ist jedoch selbst für das hohe Schweizer Durchschnittseinkommen mit 3.995 Franken (rund 4260 Euro) für eine Jahreskarte recht hoch. Personen unter 26 Jahren, Menschen mit Behinderung und Senioren erhalten Ermäßigungen. 

Frankreich hat sich gegen ein Ticket nach deutschem Vorbild für alle entschieden und stattdessen ein Angebot für junge Menschen geschaffen.

Der Pass Rail kostet 49 Euro und gilt 31 aufeinanderfolgende Tage für unbegrenzte Fahrten mit Regionalzügen (TER) und Intercités, einschließlich der Nachtzüge. Berechtigt sind alle zwischen 16 und 27 Jahren, unabhängig von der Staatsangehörigkeit. Ausgenommen sind die Hochgeschwindigkeitszüge TGV InOui und Ouigo sowie der Eurostar.

Ursprünglich als Sommerexperiment 2024 gestartet, wurde das Angebot mehrfach verlängert. Für 2026 läuft der Verkauf seit dem 11. Mai über SNCF Connect. Auch bei kostenfreien Fahrten ist für reservierungspflichtige Züge eine Platzreservierung erforderlich.

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In den Niederlanden gibt es ein einfaches Fahrkartensystem, die OV-Chipkaart, das den Kauf einer Monats- oder Jahreskarte für alle öffentlichen Verkehrsmittel des Landes ermöglicht und auf einer einzigen Karte vereint. Der Preis ist jedoch viel höher als in den meisten anderen Ländern mit solchen Netzkarten.

In den Niederlanden beginnt das NS Flex-Abonnement bei 119,95 Euro und reicht bis zu 434,90 Euro monatlich, abhängig von der gewünschten Flexibilität und der Nutzung des Fernverkehrs.

Die Niederlande, die als Pioniere des Radfahrens bekannt sind, haben den viertniedrigsten Anteil an der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel unter allen EU-Ländern. Studierende können wochentags und am Wochenende kostenlos mit den Zügen fahren, ältere Menschen erhalten etwa ein Drittel Ermäßigung auf Fahrten mit dem Zug.

Das belgische Fahrkartensystem ermöglicht es den Benutzer:innen, alle Fahrkarten auf einer Karte zu haben. Um eine Fahrkarte für alle Regionen und alle Verkehrsmittel in Belgien zu haben, müssen die Fahrgäste vier verschiedene Fahrkarten auf einer Karte buchen - eine für den gesamten Schienenverkehr in Belgien, eine für den öffentlichen Nahverkehr in Brüssel (MITB/STIB), eine für Busse und Straßenbahnen in Wallonien (TEC) und eine für Busse und Straßenbahnen in Flandern (DeLijn).

Obwohl dieses Kombiticket günstiger ist als der Kauf der einzelnen Fahrscheine, kostet der Preis für ein Jahresticket für ganz Belgien dennoch fast 5.000 Euro bzw. 390 Euro im Monat. Arbeitnehmer müssen jedoch nur 28,2 Prozent des Ticketpreises bezahlen, da der Rest vom Arbeitgeber im Rahmen des staatlichen Mobilitätsbudgets übernommen wird.

Italien hat kein landesweites Flatrate-Ticket. Die Regionalverkehre werden von den Regionen bestellt und tariflich getrennt geführt, ein durchgehendes Monatsprodukt für das ganze Land gibt es nicht.

Was es gibt, sind Rabattprogramme und kurze Flatrate-Fenster. Über das Treueprogramm X-GO, den Nachfolger von CartaFreccia, erhalten unter 30-Jährige und über 60-Jährige Ermäßigungen auf Fahrkarten der Hochgeschwindigkeitszüge und der Regionalzüge. Für Reisende interessanter ist ein Angebot, mit dem sich drei aufeinanderfolgende Tage lang alle Regionalzüge für 35 Euro nutzen lassen.

Spanien galt lange als Land ohne ein einheitliches Ticket. Der Nahverkehr ist stark dezentralisiert, Angebot und Qualität unterscheiden sich je nach Region erheblich. Seit Januar 2026 gibt es dennoch ein landesweites Produkt.

Das Abono Único kostet 60 Euro für 30 Tage, für Menschen unter 27 Jahren 30 Euro. Es gilt für unbegrenzte Fahrten in den staatlichen Fernbussen sowie in den Renfe-Zügen der Kategorien Cercanías, Rodalies und Media Distancia, in einzelnen Relationen auch für AVANT-Schnellzüge. Das Angebot ist zunächst auf 2026 befristet. Das Abo ist personengebunden und nicht übertragbar, für den Kauf sind entweder der spanische Personalausweis (DNI) oder eine Ausländeridentifikationsnummer (NIE) erforderlich. Für Tourist:innen ohne spanische Ausweisdokumente ist es damit praktisch nicht zugänglich.

Daneben bestehen weitere Vergünstigungen, etwa ein einheitliches Cercanías-Monatsabo für alle Zonen und Netze zu 20 Euro, kostenloser öffentlicher Verkehr für Kinder bis 14 Jahre, kostenlose Cercanías in Asturien und Kantabrien sowie kostenloser öffentlicher Verkehr auf den Kanaren und Balearen.

Portugal war im August 2023 eines der ersten Länder, die dem deutschen Beispiel folgten. Der damalige Passe Ferroviário Nacional für 49 Euro wurde inzwischen durch ein günstigeres und weiter reichendes Angebot abgelöst.

Der Passe Ferroviário Verde kostet 20 Euro im Monat und blieb auch bei der allgemeinen Tariferhöhung der Bahngesellschaft CP zum 1. Januar 2026 unverändert. Er gilt für Regionalzüge, InterRegional-Züge in der zweiten Klasse sowie für Intercidades in der zweiten Klasse mit Reservierungspflicht. Hinzu kommen die Vorortzüge von Coimbra sowie die Abschnitte der Lissaboner und Portoer Vorortlinien, die außerhalb der jeweiligen Metropolzonen liegen.

Nicht enthalten sind die Hochgeschwindigkeitszüge Alfa Pendular, internationale Verbindungen und die erste Klasse. Anders als beim Vorgänger ist das Ticket ausschließlich für Personen mit Wohnsitz in Portugal erhältlich. Der zugehörige Cartão CP kostet einmalig 6 Euro.

In Großbritannien gibt es verschiedene BritRail-Pässe, die unbegrenzte Fahrten in unterschiedlichen Regionen ermöglichen. In England kann man beispielsweise für umgerechnet 601 Euro monatlich unbegrenzt fahren, der BritRail Euro Consecutive M-Pass für umgerechnet 634 Euro im Monat gilt sogar in ganz Großbritannien, also auch in Wales und Schottland (nicht in Nordirland).

In Tschechien gibt es das In-Karta-Jahresabo, welches umgerechnet ca. 868 Euro kostet, was monatlich rund 72 Euro entspricht. Dieses Abo bietet unbegrenzte Fahrten mit den meisten öffentlichen Verkehrsmitteln im Land. Außerdem gibt es Ein- oder Drei-Monatskarten für bestimmte Strecken. Der Preis hängt bei diesen Angeboten von der gewählten Strecke ab.

Für Reisende im Sommer bietet die tschechische Staatsbahn ČD die Jízdenka na léto an. Sieben Tage kosten 1.390 Kronen, vierzehn Tage 1.990 Kronen, was rund 57 Euro bzw. 82 Euro entspricht. Damit lassen sich in der zweiten Klasse alle ČD-Züge unbegrenzt nutzen, ohne Kilometer- oder Fahrtenbegrenzung. Das Ticket ist seit dem 15. Juni 2026 im Verkauf und gilt vom 1. Juli bis 31. August 2026. Für reservierungspflichtige Züge ist eine Reservierung nachzukaufen.

Ungarn hat zeitgleich zu Deutschland am 1. Mai 2023 sein erstes landesweites Ticket für den öffentlichen Verkehr eingeführt. Es kostet rund 50 Euro für 30 Tage und gilt landesweit für Züge (mit Ausnahme von Zügen mit Reservierungspflicht, wie z. B. InterCity-Fernzüge) und Regionalbusse. Es gilt nicht für den Nahverkehr, kann aber für Zugfahrten, z. B. innerhalb von Budapest, genutzt werden.

Studierende erhalten auf diese Fahrkarten eine Ermäßigung von 90 Prozent. Schon seit langem fahren alle Senior:innen über 65 Jahre kostenlos in allen Zügen und den meisten anderen öffentlichen Verkehrsmitteln, auch in ganz Budapest. Ein Personalausweis genügt dabei, um die öffentlichen Verkehrsmittel zu benutzen. 

In Tallinn, der Hauptstadt Estlands, gibt es seit 2013 einen kostenlosen öffentlichen Nahverkehr für die Einwohner:innen der Stadt. Damit gilt Tallinn als die erste Hauptstadt in Europa mit einem kostenlosen ÖPNV.

Während Tallinn durch diese Umstellung tatsächlich sogar Gewinne erzielt hat, haben die umliegenden Städte und Gemeinden finanzielle Verluste erlitten. So sind zwischen 2013 und 2018 etwa 35.000 Menschen aus umliegenden Gemeinden nach Tallinn gezogen. Mit den neuen Steuerzahler:innen konnte Tallinn in diesem Zeitraum jährlich bis zu 20 Millionen Euro Gewinn machen. Die umliegenden Gemeinden haben jedoch entsprechende Steuereinnahmen verloren.

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In diesen Ländern ist der ÖPNV komplett kostenlos

Im März 2020 wurde Luxemburg das erste Land in Europa, in dem alle öffentlichen Verkehrsmittel im Land kostenlos sind. Sowohl Einwohner:innen als auch Tourist:innen können somit den luxemburgischen öffentlichen Nahverkehr kostenlos nutzen. Reisende brauchen keine Fahrkarten mehr. Ausgenommen sind Fahrten in der ersten Klasse.

Allerdings hat das Gratisticket in Luxemburg bisher noch nicht zu einer signifikanten Verlagerung vom Auto auf öffentliche Verkehrsmittel geführt. Dies könnte darauf zurückzuführen sein, dass mehr als 200.000 Menschen, die in Luxemburg arbeiten aus den Nachbarländern Deutschland, Belgien und Frankreich ein- und auspendeln und daher weiterhin teure Fahrkarten für diese Länder benötigen.

Auch auf Malta kann man seit dem 1. Oktober 2022 kostenlos mit dem öffentlichen Nahverkehr fahren, mit Ausnahme der Schnellbuslinien und der Fähre zwischen den beiden Hauptinseln. Das Angebot gilt allerdings nur für die Einwohner:innen von Malta; Tourist:innen müssen weiterhin die regulären Tarife bezahlen. Zuvor war der ÖPNV bereits für 14- bis 20-Jährige, Studierende ab 21 Jahren, Menschen mit Behinderung und über 70-Jährige kostenlos.

Obwohl die öffentlichen Verkehrsmittel kostenlos sind, gibt es immer noch Fahrkarten, und die Fahrgäste müssen einen (kostenlosen) personalisierten Fahrschein erwerben. Passagiere müssen beim Einsteigen in den Bus weiterhin die sogenannte Tallinja-Reisekarte vorweisen. Laut Transport Malta wird die personalisierte Tallinja-Karte deshalb beibehalten, da sie wertvolle statistische Informationen liefert, die den Behörden helfen können, den Service zu verbessern. Dadurch können sie unter anderem die Anzahl der Passagiere nachverfolgen. 

Deutschland im Greenpeace-Ranking zum ÖPNV auf Platz vier

In einer Greenpeace-Studie wurde verglichen, wie attraktiv der Nahverkehr in 30 europäischen Ländern ist. Komplizierte Tarife und hohe Preise behindern laut der im Mai 2023 veröffentlichten Studie der Umweltschutzorganisation Greenpeace in den meisten europäischen Ländern die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel. Deutschland rückte – knapp vor der Veröffentlichung der Studie – dank des Deutschlandtickets deutlich auf und liegt bei dem Länder-Ranking auf Platz vier hinter Luxemburg, Malta und Österreich.

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass in den meisten europäischen Ländern Bus und Bahn weiterhin nicht attraktiv genug seien, um für mehr Menschen eine klimaschonende Alternative zum Auto zu sein. 

Ausnahmen bilden demnach die Länder Luxemburg und Malta, wo der öffentliche Verkehr kostenlos ist, sowie Österreich, Ungarn und neuerdings auch Deutschland, wo relativ günstige landesweite ÖPNV-Tickets angeboten werden. Welche ÖPNV-Lösung sich für Unternehmen mit einem hybriden Arbeitsmodell lohnt, bei dem Beschäftigte von überall aus arbeiten können, erfahren Sie in unserem Blogartikel.

Greenpeace hat in seinem Ranking Preis und Ausgestaltung der ÖPNV-Tickets, nicht jedoch die Qualität des Verkehrsangebots verglichen. Relativ gut schneiden auch Zypern, Spanien und die Schweiz ab, die Schlusslichter im europäischen Länder-Vergleich sind Griechenland, Kroatien und Bulgarien.

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Stefan Wendering
Stefan ist Freelance Autor und Redakteur bei NAVIT.

Zuvor arbeitete er bereits für Start-ups und im Mobilitätskosmos. Er ist ein Experte für urbane und nachhaltige Mobilität, Mitarbeiter-Benefits und New Work. Neben Blog-Inhalten erstellt er auch Marketingmaterialien, Taglines & Content für Websites und Fallstudien.

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