Jährlicher TomTom Traffic Index: In diesen Städten stehen Pendler:innen am längsten im Stau

Jedes Jahr veröffentlicht TomTom einen Traffic Index, welcher die Verkehrsdaten der letzten 12 Monate auswertet. Insgesamt 387 Städte in 55 Ländern auf sechs Kontinenten bewertet der Navigationssystem-Hersteller nach ihrer durchschnittlichen Reisezeit. In dem Städte-Ranking mit dem meisten Stau weltweit finden sich auch deutsche Städte wieder.

Highlights

  • Die Londoner Innenstadt war 2023 mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 14 kmh am langsamsten zu durchfahren.
  • Die irische Hauptstadt Dublin ist im Jahr 2023 die am stärksten verstopfte Stadt zu Stoßzeiten, wobei die täglichen Pendler 158 Stunden pro Jahr durch den Verkehr verloren haben.
  • Deutschlands Stauhauptstadt ist Hamburg: In der Hansestadt verlieren Pendler pro Jahr 74 Stunden im Verkehr, die Durchschnittsgeschwindigkeit während der Rush Hour beträgt 22 km/h.
  • Das komplette Ranking und einen interaktiven Bericht gibt es auf tomtom.com/Traffic-Index

TomTom, bekannt für seine Navigationssysteme, veröffentlicht jedes Jahr einen „Traffic Index“. Anfang des Jahres erschien die 13. Ausgabe mit Verkehrsdaten von 2023. Der Bericht fasst die Verkehrstrends des vergangenen Jahres zusammen und verwendet dabei Daten, die von über 600 Millionen Navigationssystemen und Smartphones im Auto weltweit gesammelt wurden. 

Eine globale Herausforderung: Verkehrsstaus in Städten weltweit nimmt weiter zu

Die Entwicklung im Jahr 2023 bestätigt den allgemeinen Rückgang der Durchschnittsgeschwindigkeiten in den meisten Städten: Von den 387 Städten, die im Verkehrsindex analysiert wurden, blieb die Durchschnittsgeschwindigkeit in 82 unverändert, und in 77 Städten war die Durchschnittsgeschwindigkeit höher (und damit die Fahrzeit kürzer) als im Vorjahr. In den übrigen 228 Städten gingen die Durchschnittsgeschwindigkeiten zurück. In London und Dublin, den beiden Städten mit der niedrigsten Durchschnittsgeschwindigkeit, verlängerte sich die Fahrzeit für eine 10-Kilometer-Strecke im Vergleich zu 2022 um fast 1 Minute.

In London fließt der Verkehr am langsamsten, in Dublin verlieren Autofahrende die meiste Zeit

Zum zweiten Mal in Folge war London im Jahr 2023 die am langsamsten zu fahrende Stadt. Die Hauptstadt Englands hat die niedrigste Grundgeschwindigkeit, was auf statische Faktoren zurückzuführen ist, wie das Fehlen von Schnellstraßen und das Einführen von strikteren Geschwindigkeitsbegrenzungen, die in den letzten Jahren auf 20mph auf den meisten Straßen verringert wurden - so ist die Durchschnittsgeschwindigkeit in London selbst bei optimalen Verkehrsbedingungen langsamer als in jeder anderen Stadt der Welt.

Dublin ist die Stadt, in der Pendler:innen im Berufsverkehr am meisten Zeit im Stau verlieren. Autofahrende verbringen durchschnittlich 1 Stunde 14 Minuten im Auto, um zweimal täglich während der morgendlichen und abendlichen Rushhour eine typische Strecke von 10 Kilometern zurückzulegen - aber mehr als 40 Minuten dieser täglichen Hin- und Rückfahrt sind auf Staus zurückzuführen. Diejenigen, die diese Strecke täglich zurücklegen, verlieren 153 Stunden im Stau. Besonders schlimm ist die Situation im Jahr 2023, mit 12 Stunden und 31 Minuten mehr als 2022.

Gestiegene Kosten für die Umwelt und Pendler:innen

Der Anstieg der Benzinkosten und des Kraftstoffverbrauchs aufgrund längerer Fahrzeiten wirkt sich deutlich auf das Budget der Autofahrenden aus, die täglich mit dem Auto zur Arbeit fahren müssen. In mehr als 60 Prozent der 351 Städte, in denen TomTom die Kraftstoffpreise aggregiert, stieg das durchschnittliche Budget für Kraftstoff zwischen 2021 und 2023 um 15 Prozent oder mehr. Dieser Verbrauchsanstieg wirkte sich direkt auf die durchschnittlichen CO2-Emissionen pro Fahrzeug aus.

So hat TomTom die Daten erhoben

Die Daten für den „TomTom Traffic Index“ wurden weltweit aus über 600 Millionen Navigationssystemen und Smartphones im Auto gesammelt. Dabei verwendet der Index eine repräsentative Auswahl dieser Daten, um darzustellen, wie sich der Verkehr in den insgesamt 387 Städten 2023 im Vergleich zum Vorjahr entwickelt hat. Die berechnete Reisezeit hängt von sogenannten festen und dynamischen Faktoren ab: Zu den festen Faktoren zählen beispielsweise Straßenqualität und Geschwindigkeitsbegrenzungen, zu den dynamischen Faktoren gehören unter anderem der Verkehrsfluss.

Anhand der festen Faktoren legt der „Traffic Index“ eine optimale Reisezeit für bestimmte Städte fest. Die dynamischen Faktoren bestimmen dann die tatsächliche Reisezeit. Folgende Indikatoren wurden für das Ranking betrachtet:

  • Die durchschnittliche Zeit, die für eine Strecke von 10 Kilometer benötigt wurde. 
  • Das Stau-Niveau: Die durchschnittliche zusätzliche Zeit, die im Jahr 2023 durch den Verkehr verloren geht, verglichen mit dem Fahren bei freiem Verkehr.
  • Zeitverlust pro Jahr in der Hauptverkehrszeit (rush hour)
  • Durchschnittsgeschwindigkeit während der Hauptverkehrszeit

Die untersuchten Daten stammen von Navigationsgeräten sowie von anderen Quellen wie der Navigations-App auf iPhones. Zwar wird somit nicht jedes Auto damit erfasst, allerdings reicht die Datenlage nach Angaben von TomTom aus, um die Verkehrslage in den untersuchten Städten präzise genug abzubilden.

In diesen deutschen Städten verlieren Autofahrende die meiste Zeit

Vielerorts gilt immer noch: Deutschland ist Autoland. Noch nie gab es so viele Fahrzeuge pro Einwohner in Deutschland wie aktuell. Das hat wenig überraschend zur Folge, dass auch die Fahrzeiten immer weiter zunehmen. Deutscher Stauspitzenreiter ist 2023 die Hansestadt Hamburg. In Hamburg benötigte man 2023 für eine Strecke von 10 Kilometer im Schnitt 24 Minuten. Damit verlieren Pendler:innen in der Hansestadt im deutschen Vergleich die meiste Zeit im Verkehr. Im Jahr 2023 waren das 74 Stunden. Die Hauptstadt Berlin folgt an zweiter Stelle mit einer durchschnittlichen Reisezeit pro 10 Kilometer von 22 Minuten und einer verlorenen Zeit von 64 Stunden pro Jahr. Hamburg war bereits in den vergangenen Jahren die deutsche Stadt mit dem höchsten Stau-Niveau.

Das sind die Top Ten der deutschen Staustädte (benötigte Zeit für 10 km):

  1. Hamburg: 24 min
  2. Berlin: 22 min
  3. Leipzig: 22 min
  4. Frankfurt am Main: 21 min
  5. München: 21 min
  6. Köln: 20 min
  7. Kassel: 20 min
  8. Dresden: 20 min
  9. Wiesbaden: 20 min
  10. Stuttgart: 19 min

Vier Wege aus dem Stau

  1. ÖPNV und Fahrrad nutzen

Städte wie Hamburg, Berlin, Leipzig oder München haben ein funktionierendes ÖPNV-Netz und außerdem ein gut ausgebautes Fahrradwegenetz. Viele Staus lassen sich reduzieren, wenn Pendler:innen auf alternative Verkehrsmittel umsteigen. Mit einer kombinierten Nutzung von Fahrrad sowie Bus und Bahn lassen sich viele Arbeitswege mindestens genauso schnell und zudem stressfreier zurücklegen.

  1. Flexible Arbeitsmodelle: Zu anderen Zeiten pendeln

Flexible Arbeitsmodelle ermöglichen es von zu Hause aus zu arbeiten oder dank Gleitzeit außerhalb der Stoßzeiten ins Büro zu pendeln. Das kann Staus effektiv verringern. Unternehmen sollten von flexiblen Arbeitsmodellen Gebrauch machen. 

  1. Carpooling reduziert die Zahl der Autos im Verkehr

Unternehmen können ihre Mitarbeitende aktiv dabei unterstützen, Fahrgemeinschaften zu bilden. Beim sogenannten Carpooling teilen sich mehrere Pendler:innen mit ähnlichen Arbeitswegen ein Auto und fahren gemeinsam zur Arbeit. Das hat praktischen Nebeneffekt, dass sich die Mitarbeitenden auch die Kosten teilen und somit Fahrtkosten sparen. 

Ein Mobilitätsbudget hilft Städten den Verkehr zu entlasten

Mobilitätsbudgets werden immer beliebter. Nicht ohne Grund, denn sie ermöglichen es Nutzer:innen das Verkehrsmittel für ihre tägliche Mobilität flexibel auszuwählen. Das erleichtert den Umstieg auf Alternativen zum Auto. So können Pendler:innen ihre Mobilitätswahl nach den aktuellen Begebenheiten ausrichten und sich für Bus und Bahn oder das Fahrrad entscheiden, wenn starker Verkehr vorprogrammiert ist. Damit kann ein Mobilitätsbudget dabei helfen den Verkehr zu entlasten und Staus zu reduzieren. 

Stefan Wendering
Stefan ist Freelance Autor und Redakteur bei NAVIT. Zuvor arbeitete er bereits für Start-ups und im Mobilitätskosmos. Er ist ein Experte für urbane und nachhaltige Mobilität, Mitarbeiter-Benefits und New Work. Neben Blog-Inhalten erstellt er auch Marketingmaterialien, Taglines & Content für Websites und Fallstudien.

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