
Ein zuletzt diskutiertes „Deutschlandticket light“ wird es vorerst nicht geben. Die Verkehrsminister der Länder haben den Vorstoß von Nordrhein-Westfalen und Hamburg für einen bundesweiten digitalen Gelegenheitstarif vertagt. Vom Tisch ist die Idee damit aber noch nicht: Weitere Länder unterstützen sie, und auch der Bundesverkehrsminister zeigt sich offen. Für Arbeitgeber ist die Debatte interessant, weil sie eine Lücke beim Jobticket betrifft: Mitarbeitende, die nur an einzelnen Tagen ins Büro pendeln.
Offiziell heißt der Vorschlag „Bundesweiter elektronischer Gelegenheitstarif“. Eingebracht haben ihn die Verkehrsminister aus Nordrhein-Westfalen und Hamburg. Das Prinzip hinter dem „Deutschlandticket light“ ist einfach: Fahrgäste checken per Smartphone beim Einstieg ein und am Ziel wieder aus, die App berechnet dann automatisch den günstigsten Preis für jede Fahrt. Ein Monatsabo braucht es dafür nicht. Teurer als das Deutschlandticket soll es trotzdem nie werden, denn wer in einem Monat viel fährt, soll höchstens dessen Preis bezahlen.
Als Vorbild dient das System eezy.nrw, das in Nordrhein-Westfalen bereits nach diesem Prinzip funktioniert und die monatlichen Kosten auf den Preis des Deutschlandtickets begrenzt. Nach Angaben des NRW-Verkehrsministeriums wurden darüber allein im September 2026 mehr als 1,4 Millionen Fahrten abgerechnet.
Ein fertiges Produkt sah der Antrag ohnehin nicht vor. Eine Arbeitsgruppe sollte zunächst ein Konzept erarbeiten, darüber entschieden werden sollte im Herbst 2027. Weil der Antrag nun vertagt wurde, ist auch die Arbeitsgruppe vorerst nicht beschlossen worden.
Bei der Konferenz am 21. und 22. Oktober im bayerischen Hohenschwangau beschloss eine Mehrheit der Länder, den Antrag von der Tagesordnung zu nehmen, da er zu kurzfristig eingebracht worden sei. Dem nordrhein-westfälischen Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) zufolge war der Antrag fristgerecht eingegangen. Die Absage nannte er eine verpasste Chance für Digitalisierung, Kostensenkung und Komfort.
Inhaltlich gehen die Positionen noch auseinander. Während neben NRW und Hamburg inzwischen auch Brandenburg und grundsätzlich Niedersachsen für das neue Tarifmodell sind, kommt Gegenwind vor allem aus Bayern. Der bayerische Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU), derzeit Vorsitzender der Konferenz, sieht angesichts fehlender Milliarden im Nahverkehr keinen Spielraum für zusätzliche Angebote. Auch der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) lehnt den Vorstoß ab: Er verursache Kosten und schwäche die Logik des Deutschlandtickets als monatlich kündbare Flatrate.
Der Fahrgastverband Pro Bahn und Sozialverbände unterstützen hingegen die Idee, da auch Menschen profitieren würden, für die sich ein Monatsabo nicht lohnt. Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) nennt das Konzept eine „spannende Idee“ und betonte, das Thema sei nur bis zur nächsten Konferenz vertagt. Offen seien allerdings noch die finanziellen Auswirkungen und die konkrete Umsetzung.
NRW und Hamburg wollen den Antrag bei der nächsten Verkehrsministerkonferenz erneut einbringen. Ob er dort eine Mehrheit findet und wer einen solchen Tarif finanzieren würde, ist noch offen. Fest steht dagegen der Preis des regulären Deutschlandtickets: Ab dem 1. Januar 2027 kostet es 66,80 Euro im Monat statt bisher 63 Euro.
Für Unternehmen, die ihren Beschäftigten das Deutschlandticket als Jobticket anbieten, ändert sich vorerst nichts. Die Debatte zeigt aber, wo das Modell an Grenzen stößt. Für Mitarbeitende, die regelmäßig pendeln, rechnet sich die Monatsflatrate. Wer dagegen oft im Homeoffice arbeitet, in Teilzeit beschäftigt ist oder nur gelegentlich Bus und Bahn nutzt, schöpft sie selten aus. Genau für diese Gruppe wäre ein Gelegenheitstarif gedacht.
Ob und wann das Deutschlandticket light kommt, bleibt offen. Arbeitgeber, die auch Gelegenheitsfahrer:innen unterstützen wollen, können schon heute auf ein Mobilitätsbudget setzen, aus dem Mitarbeitende je nach Bedarf Einzelfahrten, ein Deutschlandticket oder andere Mobilitätsangebote bezahlen.
