Beruflich veranlasste Fahrten machen 41 Prozent des Verkehrs in Deutschland aus. Für Unternehmen wächst damit der Druck, ihre Mobilitätsangebote genauer auf einzelne Standorte und die tatsächliche Belegschaft zuzuschneiden.
Beruflich bedingte Mobilität prägt das Verkehrsgeschehen hierzulande in erheblichem Maß. Eine gemeinsame Untersuchung von PwC Deutschland und dem Institut für Mobilität der Universität St.Gallen beziffert ihren Anteil am gesamten Verkehr auf 41 Prozent. Dabei werden 62 Prozent der Wege zur Arbeit im Auto zurückgelegt. Die Autoren der Studie skizzieren, auf welchem Weg Unternehmen ihre bislang nebeneinanderstehenden Einzelangebote zu einem stimmigen und integrierten Mobilitätskonzept verbinden können.
Die Studie „Reinventing Corporate Mobility“, entstanden im „PwC Lab for Smart Mobility“ am Institut für Mobilität der Universität St.Gallen, gliedert das Feld in drei Bereiche: die physische Infrastruktur, die Verkehrsmittel selbst und die begleitenden Softwaresysteme.
Unter Infrastruktur fassen die Autoren etwa Stellflächen und Ladepunkte. Bei den Verkehrsmitteln reicht die Bandbreite von eigenen Fahrzeugflotten über den öffentlichen Nahverkehr bis hin zu Shuttle-Verbindungen. Dazu treten digitale Anwendungen, die Mobilitätsbudgets abwickeln, Parkflächen verwalten, Fahrgemeinschaften organisieren oder Wege auswerten.
Grundlage der Arbeit sind 35 Gespräche mit Mobilitätsverantwortlichen, Dienstleistern und Beratern aus Deutschland und der Schweiz. Zu den Gesprächspartnern zählten Mobilitätsverantwortliche von Unternehmen wie AXA, der BMW Group oder ZF Friedrichshafen sowie Anbieter von Mobilitätslösungen – darunter NAVIT. Daraus entwickeln die Studienautoren ein Rahmenwerk, mit dessen Hilfe Unternehmen ihren eigenen Status quo bestimmen und passende Maßnahmen auswählen können.
Welche Angebote sinnvoll sind, hängt PwC zufolge maßgeblich vom Umfeld des jeweiligen Unternehmens ab. Lage des Standorts, Branche und die realen Wege der Beschäftigten bestimmen demnach, welche Lösungen überhaupt in Betracht kommen. Einzelne Bausteine wie Dienstradleasing, Firmenwagen oder Zuschüsse zum Deutschlandticket gehören vielerorts bereits zum Standard. Umfassende, digital gestützte Gesamtkonzepte bleiben dagegen bisher die Ausnahme.
Drei typische Unternehmensprofile unterscheidet die Untersuchung. An autogeprägten Produktionsstandorten rücken demnach die Elektrifizierung der Flotte, organisierte Fahrgemeinschaften und ein aktiv gesteuerter Parkraum in den Vordergrund. Für Dienstleister in städtischer Lage nennt die Studie dagegen Mobilitätsbudgets, öffentliche Verkehrsangebote und Mikromobilität. Bei flottenintensiven Hub-Betrieben wiederum gewinnen Flottenmanagement und Shuttle-Lösungen an Gewicht.
Einen Hinweis darauf, wie sich das Verkehrsverhalten verändern kann, liefert ein Pilotversuch mit 100 Beschäftigten. Stehen flexible Alternativen bereit, wird seltener zum Auto gegriffen. Parallel dazu nehmen die Fahrten mit Bus und Bahn zu.
Über die Mobilitätsbedürfnisse der Beschäftigten hinaus benennt die Studie weitere Einflussgrößen, die Unternehmen im Blick behalten müssen. Dazu gehören regulatorische Vorgaben, die Nachvollziehbarkeit von Emissionen und die Kosten der betrieblichen Mobilität. Mehr als die Hälfte der CO2-Emissionen des Personenverkehrs steht im Zusammenhang mit arbeitsbedingten Wegen.
Eine allgemeingültige Standardlösung für betriebliche Mobilität gibt es der Untersuchung zufolge nicht. Für Fuhrparkverantwortliche folgt daraus allerdings auch: Ein weiteres Angebot obendrauf genügt nicht. Wer Flottenelektrifizierung, Ladeinfrastruktur, Parkraum, Diensträder, öffentlichen Verkehr und Mobilitätsbudgets zu einem Ganzen fügen will, muss zuerst wissen, wie die Beschäftigten tatsächlich unterwegs sind und welche Bedingungen am jeweiligen Standort herrschen. Wie stark integrierte Konzepte in der Breite wirklich wirken, lässt sich aus der Arbeit jedoch nur begrenzt ablesen: Sie stützt sich auf 35 Interviews, und die beschriebenen Verschiebungen bei der Verkehrsmittelwahl stammen aus einem Piloten mit 100 Teilnehmenden. (Quelle: PwC Deutschland / Institut für Mobilität der Universität St.Gallen, „Reinventing Corporate Mobility – Part 1“, Juli 2026)
Transparenzhinweis: NAVIT wurde im Rahmen der Studie als einer von mehreren Mobilitätsdienstleistern befragt. Die Inhalte und Ergebnisse der Studie verantworten allein die Autorinnen und Autoren.
